Rezensionen

[Rezension] Oliver Bottini: Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

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Autor: Oliver Bottini
Genre: Kriminalroman
Ausgabe: Hardcover, 414 Seiten
Erschienen: 08.11.2017 bei DuMont


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csm_9783832197766_5469499135Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg – und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will …

(Cover, Klappentext und bibliografische Angaben entnommen von dumont-buchverlag.de)


 

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Im März steht erneut die Leipziger Buchmesse vor der Tür und passend zum diesjährigen Gastland Rumänien präsentiere ich euch hier einen Kriminalroman, der unter anderem dort spielt. Darüber hinaus hat das Buch in diesem Monat den ersten Platz beim Deutschen Krimi Preis belegt. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen, als ich die Lektüre aufgenommen habe.

 

Zu gewollt, zu viel Atmosphäre

Das Buch hab mich überrascht. Der Anfang erschien mir schleppend, zu viele Figuren, die wir zu kurz sahen, zu viel Fokus auf deprimierender, einsamer Atmosphäre, zu schwer. Ich hatte beim Lesen – natürlich nicht ganz unvoreingenommen – das Gefühl, ein klassisches Preisträger-Buch zu lesen. Wie bei Filmen, die einen Oscar gewinnen, denen man beim Sehen schon anmerkt, dass sie mit dem Ziel gedreht wurden, einen Oscar zu gewinnen, so erging es mir mit diesem Buch: Die Sprache wirkte zu bemüht, der Stil zu gewollt atmosphärisch. Jede Szene war getaucht in die Einsamkeit, die das beherrschende Thema des Buches ist. Als Leser bekommt man keine Verschnaufpause, man ist beständig zum Fühlen gezwungen.

Am Ende des Buches gibt es ein erstaunlich umfangreiches Personenregister, welches ist jedoch bewusst nicht genutzt habe. Entweder, einem Buch gelingt es, dass ich mit die Personen merken kann, oder es versagt in dem Aspekt – einmal ausgenommen Reihen, die extrem lang sind und manche Figuren über mehrere Bücher hinweg nicht mehr auftauchen lassen. Zu Beginn kam ich tatsächlich hin und wieder durcheinander, doch das legte sich rasch und ich wusste, mit wem ich es zu tun hatte. Trotzdem hat die Charaktertiefe unter der Vielfalt der Charaktere gelitten. Einige Charaktere werden mehr etabliert als andere, dennoch fehlt mir zu oft eine Motivation. Was wollen diese Menschen vom Leben? Irgendein Hinweis darauf, dass sie jenseits des Plots noch eine Existenz haben. Dafür, dass so viele Personen durchaus ausführlich beschrieben werden, bleiben erstaunlich viele davon doch blass oder auf einige wenige Adjektive reduziert, die nur im Rahmen des Plots relevant sind.

 

Spannender Ausflug in die Wirtschaftsgeschichte

Diese negativen Aspekte haben mich am Anfang sehr gestört. Auch, dass ich immer wieder das Gefühl hatte, in einer Geschichtsstunde über die DDR und die ehemaligen Ostblockstaaten zu sitzen, hat das nicht besser gemacht. Tatsächlich war es dann aber der letztere Aspekt, der sich zu einer absoluten Stärke des Buches gemausert hat. Je weiter die Ermittlungen voran schreiten, umso mehr entwickelt sich die Geschichte zu einem Fall von Wirtschaftskriminalität. Verstrickungen, die bis in die Zeit vor der Wende zurückgehen, werden aufgedeckt und erörtert, so ziemlich alle auftretenden Figuren haben auf die eine oder andere Weise eine schwierige Vergangenheit.

Die Auflösung der LPGs, das Chaos, das die schnelle Wende mit sich gebracht hat, die Cleverness der einen gegenüber der Gutgläubigkeit der anderen, all das wird immer wieder spannend und gefühlvoll aufgegriffen. Man fühlt sich plötzlich als Teil dieser Gemeinschaft von Bauern, die sich noch immer nicht wirklich in der neuen Welt zurecht finden und nicht wirklich verstehen, was damals geschehen ist. Die Ermittlungen rund um Korruption und Agrarpolitik waren für mich ein Highlight dieses Romans. Das Ende wiederum passt zu der Atmosphäre, die aufgebaut wurde, und macht damit das Buch zu einer runden Sache.

 

Fazit:

Der Kriminalroman „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ von Olliver Bottini ist ein atmosphärisch dichter Wirtschaftskrimi über die Verwicklungen der ehemaligen DDR und der ehemaligen Ostblockstaaten in die unübersichtliche Agrarpolitik. Obwohl eigentlich ein Mordfall im Zentrum steht, liegt die Stärke des Buches doch deutlich in seinen historischen Beleuchtungen der Umbruchzeit. Die Menge an Figuren und die zu starke Konzentration auf die düstere Atmosphäre machen das Lesen anstrengend, doch der zugrunde liegende Plot kann viel davon gut machen.

 

Ich vergebe 4 von 5 Kaffeetassen.

 

4P


 

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