Rezensionen

[Rezension] Eloisa James: Ein Kuss um Mitternacht

image1Allgemeines zum Buch:

Originaltitel: A Kiss at Midnight
Autorin: Eloisa James
Übersetzerin: Barbara Först
Genre: Historischer Liebesroman, 416 Seiten
Serie: Fairy Tales Band 1
Erschienen: 04.09.2014 bei LYX

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Klappentext:

Miss Kate Daltry glaubt nicht an Märchen. Doch als sie auf einem Ball dem Prinzen Gabriel begegnet, verliert sie augenblicklich ihr Herz an ihn. Allerdings ist Gabriel schon einer anderen Frau versprochen. Kann es für Kate und ihn ein glückliches Ende geben?


 

Meine Meinung:

Wo soll ich anfangen? Nachdem ich durch Zufall auf die historischen Liebesromane aus dem LYX-Verlag gestolpert bin, habe ich eine Sucht dafür entdeckt. Und hatte ich noch bei Meredith Durans „Eine nächtliche Begegnung“ gedacht, dass ich vielleicht die Latte schon beim Einstieg hoch gelegt habe, wurde ich durch Eloisa James eines Besseren belehrt.

Eines direkt zu Beginn: Es handelt sich hier um ein Märchen, das im Gewand eines historischen Romans daher kommt. Das bedeutet, dass die Autorin es hier nicht so ernst meint mit historischer Genauigkeit, was ihr diverse Freiheiten insbesondere mit den Figuren und ihren Charakteren erlaubt. Wir haben es hier mit der Geschichte des armen Aschenputtels zu tun, das einen Prinzen kennen lernt, der ihren Wert erkennt und sie erobert. Die Hauptperson in Form von Kathe Daltry ist eine junge, aber nicht mehr ganz junge Frau, die nach dem Tod wie ein Dienstmädchen im eigenen Haus lebt. Ihr Prinz, Gabriel, der aus seiner Heimat mehr oder minder verbannt wurde und deswegen in England lebt, ist ein gelehrter, aber immer zum Flirten bereiter Mann. Ihre erste Begegnung lässt beide wenig voneinander halten, doch gerade weil sie einander so fremd sind, so anders als alle andere, die sie kennen, interessieren sie sich schnell füreinander. Das ist so vorhersehbar wie klischeebeladen, aber die Ausführung ist grandios und unterhaltsam.

Natürlich gibt es auch eine böse Stiefmutter, die nur darauf bedacht ist, ein angenehmes luxuriöses Leben zu führen und das Beste für ihre eine Tochter herauszuholen, doch anders als im Märchen ist diese Tochter kein Scheusal, sondern einfach nur ein naives, gutherziges Mädchen, das ehrlich in einen jungen, reichen Mann verliebt ist, mit dem sie sich verlobt hat. Dass sie drei nervige Hunde hat, auf welche Kate an ihrer statt aufpassen muss, passt perfekt zu dem Charakter. Ebenso, wie die Stiefschwester nicht böse ist, haben wir es in dieser Geschichte generell mit einer Menge guter Menschen zu tun, die, selbst wenn sie schräg wirken, immer nachvollziehbare Motive haben. Der einzige weitere schlechte Mensch, ein Mann, wird öfters erwähnt, tritt dann kurz in Erscheinung, um sodass direkt wieder abtreten zu dürfen. Er diente dazu, das noble Herz des Prinzen zu zeigen, und das ist auf augenzwinkernde Weise sehr gut gelungen. Auch die russische Prinzessin, welche mit ihrem Vermögen den verarmten Prinzen retten soll, existiert als Gegenspielerin, die so liebreizend und verständnisvoll ist, dass man ihr den Prinzen fast gegönnt hätte.

Ansonsten haben wir alles, was ein echtes Märchen braucht: eine aufregende Seeschlacht, bei der der Prinz seine Herzensdame rettet, ein Picknick zu zweit, geheime Treffen und noch geheimere Gänge im Schloss – und sogar der berühmte Glasschuh fehlt nicht! Ob es Absicht war, dass die im Original böse Stiefschwester, welche am Ende von den Tauben angegriffen wird, hier liebreizend ist, dafür aber von ihren Hunden angegriffen wird und damit die Geschichte überhaupt erst ins Rollen bringt? Zuzutrauen wäre es Eloisa James. Sie schreibt großartig und während des Lesens vergisst man immer wieder, dass das einst die Geschichte von Aschenputtel war. Die Dialoge sind spritzig und frech, alle auftretenden Figuren sind auf ihre ganz eigene Art und Weise sympathisch und der Konflikt, der das Liebespaar voneinander trennt, ist zumindest oberflächlich betrachtet echt.

Und generell, das Liebespaar: Kate und Gabriel scheuen sich nicht, ihr Verlangen füreinander zu zeigen. Sie sind offener und experimentierfreudiger, als man es für Menschen der Zeit annehmen würde (vor allem in der Art, wie sie miteinander kommunizieren), doch genau deswegen ist es ein Märchen. So unerfahren Kate auch ist, sie erkennt ihr Verlangen und sie scheut sich nicht, es zu zeigen. Alleine dafür liebe ich sie. Sie ist intelligent, aber auch weiblich, sexy, erotisch. Sie mag sich selbst nicht so sehen, doch sie hört auf ihren Körper, anstatt ihre Lust zu unterdrücken. Das ist unfassbar erotisch und genau deswegen erliegt ihr Gabriel auch. Doch es dauert lange, bis sein Verstand sich beugt, was ihn ebenfalls menschlich und sympathisch macht.


 

Fazit:

Bisher war „Ein Kuss um Mitternacht“ von Eloisa James mein persönliches Highlight 2017. Es mag nicht so anspruchsvoll sein wie „Kraft“, was ich gerade noch lese, oder so wortgewaltig wie „Keine Menschenseele“, doch es erfüllt den Anspruch, den ich hatte: Es unterhält. Ich hatte lange nicht mehr so viel Freude beim Lesen wie hier, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war traurig, als es vorbei war. Die Figuren machen Spaß, der Schreibstil ist locker und spritzig, die Geschichte ist amüsant und man fühlt sich am Ende wahrlich in einem Märchen. Dieses Buch hält jeden Romantiker ewig wach!

Ich vergebe 5 von 5 Kaffeetassen.

5P

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