Rezensionen

[Rezension] Phoebe Ann Miller: Auf die andere Art

Allgemeines zum Buch:

Autorin: Phoebe Ann Miller
Genre: Liebesroman (Drama / Erotik), ca. 350 Seiten
Erschienen: 27.07.2015 bei Amrûn

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Amrûn
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adaaKlappentext:

„Nimm uns beide!“

Kann man zwei Männer lieben und auch mit beiden zusammen sein?

Charlotte ist glücklich mit Jason verheiratet, steht mit beiden Beinen fest im Leben. Als ihr Chef in den Ruhestand geht, freundet sie sich mit seinem Nachfolger an, dem charmanten Dominic Webster. Doch aus Freundschaft wird mehr und plötzlich muss sie sich entscheiden. Soll sie ihr Leben weiterführen, einen Neuanfang wagen – oder gibt es eine andere Möglichkeit, glücklich zu werden?


 

Meine Meinung:

Schon von der Thematik her hatte dieses Buch bei mir einen guten Ausgangspunkt: Ich mag unkonventionelle Beziehungen, die zeigen, dass jeder Liebe auf seine eigene Weise finden kann, ohne dass die Gesellschaft sich ein Urteil erlauben sollte. Der Klappentext war vielversprechend und so musste ich das Buch einfach haben.

Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und wer mich kennt, der weiß, dass ich da immer skeptisch bin. Bei diesem Roman führte es dazu, dass ich länger als gewöhnlich brauchte, um richtig in der Geschichte zu versinken, doch ich verstehe die Wahl: Es geht um Gefühle, insbesondere um die Gefühle der weiblichen Hauptperson Charlotte, und diese werden durch die Ich-Perspektive in schöner Weise herausgearbeitet. In unserer Gesellschaft ist es nicht üblich, mehr als einen Partner zu haben, und so ist der innere Konflikt und die Blockade, die zunächst verhindert, das Gefühle überhaupt realisiert werden, insbesondere im ersten Teil des Buches das zentrale Thema. Durch die Perspektive gelingt es der Autorin, uns an Charlottes Zerrissenheit teilhaben zu lassen. Wenn man versucht, „das Richtige“ zu tun, verliert man schnell aus den Augen, was „das Richtige“ für einen selbst ist.

Die wichtigsten Charaktere sind beinahe von der ersten Seite an eingeführt: Jason, Charlottes Ehemann, Dominic, ihr neuer Chef, und Sandra, die beste Freundin. Obwohl (oder gerade weil?) man diese Figuren nur aus der Sicht von Charlotte kennen lernt, sind sie doch echt. Es sind keine Skelette, wie man sie gerade in Liebesromanen nur zu oft findet, sondern lebende, atmende, warme Menschen. Auch das ist etwas, was mir an diesem Buch unfassbar gut gefallen hat: Die Beziehung zwischen Charlotte und Jason erfüllt mich mit unendlicher Wärme. Klassische Dreiecksgeschichten tappen gerne in die Falle, den ursprünglichen Partner als unterlegen, schlecht oder gar böse darzustellen, um den neuen Partner zu rechtfertigen. Und obwohl Dominic in vielerlei Hinsicht dem typischen Klischee der Erotik-Romanzen entspricht (gutaussehend, charismatisch, reich bzw. in Autoritätsposition), so ist auch er ein echter Mensch.

Letzteres wird besonders dadurch deutlich, dass wir hier nicht ausschließlich eine Liebesgeschichte haben. Charlotte und Dominic arbeiten in einer Anwaltskanzlei, was nicht einfach nur erwähnt wird, sondern zentral zur Geschichte gehört. Insbesondere Dominic erhält durch den gemeinsamen Fall eine Tiefe, die vermutlich ohne ihre Arbeit nicht möglich gewesen wäre. Auch das hat mir herausragend gefallen, denn so sehr ich auch Liebesgeschichten und Herzschmerz mag, ich brauche doch immer wenigstens ein bisschen Substanz, irgendetwas, was die Figuren in einen Rahmen bindet. Es ist beinahe erstaunlich, wie spielerisch Phoebe Ann Miller das hier gelingt.

Leider schwächelt der Roman gegen Ende ein wenig, zumindest in meinen Augen. Ich werde an dieser Stelle keine Plotpoints spoilern, doch so viel will ich sagen: Bestimmte Figuren, die auftreten, wirken im Vergleich zu den authentischen Hauptpersonen sehr eindimensional, was zu sehr vorhersehbaren, extrem klischeebeladenen Szenen führt. Ich verstehe, dass die unkonventionelle Beziehung der drei Figuren in ihrem ganzen Konfliktpotential dargestellt werden sollte, dennoch fehlte mir insbesondere in den letzten Szenen der gewohnte Tiefgang. Eventuell hätte die Autorin sich hier mehr Zeit nehmen können, um die negativen Ansichten ausführlicher darzustellen und ihnen mehr Raum zu geben, damit ein echter Konflikt entsteht. Ein Konflikt, der im letzten Kapitel aufgemacht wird, hat nicht genügend Zeit, beim Leser tatsächlich Gefühle auszulösen. Ich fand es schade, denn bis auf dieses Problem hat mir das Buch sehr, sehr gut gefallen.


Fazit:

Die unkonventionelle Beziehung, für die sich Jason, Dominic und Charlotte entscheiden, wird von der Autorin behutsam und mit viel Gefühl eingeführt. Die Hauptpersonen sind lebendig und warm, sie tragen das passend „Auf die andere Art“ genannte Buch durch die gesamte Geschichte. Erst zum Schluss wurde ich durch oberflächliche Konflikte und eben solche Figuren aus dem Fluss gerissen, doch das tat meiner Zufriedenheit kaum Abbruch. „Auf die andere Art“ von Phoebe Ann Miller ist eine originelle Liebesgeschichte, die einen Seite um Seite fesselt und nächtelang wachzuhalten weiß.

Ich vergebe vier von fünf Kaffeetassen.

4P

Ein Kommentar zu „[Rezension] Phoebe Ann Miller: Auf die andere Art

  1. Guten Morgen,
    Danke für deine Rezension, die Lust auf das Buch macht. Ich habe von Phoebe Ann Miller bereits „Herz über Kopf“ gelesen, den ersten Band der Famous Reihe und war total begeistert. Ich warte derzeit sehnsüchtig auf den zweiten Band, der noch in diesem Jahr erscheinen soll.
    Auf die andere Art liegt bei mir auch auf dem SuB. Trotz dessen, dass dir das Ende nicht so zugesagt hat, machst du mir Lust darauf, es endlich vom SuB zu befreien.
    Hab einen wunderbaren Sonntag
    LG
    Yvonne

    Gefällt 1 Person

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