Selfpublishing

Self-Publishing mit Amazon KDP [5]: Die leidige Frage nach dem Cover

„Don’t judge a book by its cover“ – ein schönes Zitat, das wir gerne auch auf Menschen anwenden, um nicht oberflächlich zu erscheinen. Tatsache ist jedoch, dass insbesondere im eBook-Markt die Menschen vor allem nach dem Cover gehen. Wenn man sich durch die Kindle-Bibliothek mit ihren tausenden Artikeln scrollt, wird man nur dann anhalten, wenn einem ein ansprechendes Cover entgegenspringt. Doch wie komme ich als Indie-Autor an ein professionelles Titelbild?


 

Wenn man als Autor bei einem Verlag schreibt, hat man den Vorteil, dass man sich um das Cover-Design keine Gedanken machen muss: Ob man selbst gestalterisch bewandert ist oder nicht, spielt keine Rolle, da bezahlte Profis einem die Arbeit abnehmen. Das hat aber natürlich gleichzeitig den Nachteil, dass man oftmals kaum oder kein Mitspracherecht bei der Gestaltung hat, da der Verlag eine ganz eigene Vorstellung vom Marketing und allen dazugehörigen Faktoren hat. Als Indie-Autor, der den Weg des Self-Publishing geht, hat man im Zweifel volle Gewalt über das Aussehen des Titelbildes und das sollte man nutzen. Vor allem sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass ein gutes Buch sich möglicherweise nur dann gut verkauft, wenn man vorher bereit war, Geld in die Entstehung zu investieren.

 

Cover selbst gestalten

lorem-ipsumFür mein erstes Buch „lorem ipsum – Der Sommer ihres Lebens“ habe ich das Cover vollständig selbst entworfen. Es stieß wie erwartet auf gemischtes Feedback: Während einige professionelle Cover-Designer mir zusprachen, dass es überraschend gut sei für eine Amateurs-Arbeit, erhielt ich andererseits in einer Amazon-Rezension das Feedback, dass es unpassend und unansprechend sei. Exakt das ist auch die Gefahr von selbst gestalteten Covern: Wenn man nicht bereits umfangreiche Erfahrung in diesem Bereich hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man ein eher mäßiges Bild zustande bringt. Falls jedoch das Geld – wie bei mir – knapp ist, bleibt dies meist der einzige Weg. Daher hier einige Tipps dazu:

1.) Kostenlose Bilder

Es gibt im Internet diverse Seiten, die kostenlose Bilder zur Verfügung stellen, bspw. unsplash.com, pixabay.com oder pexels.com. Ich persönlich arbeite gerne mit Pixabay, da die Bilder dort meinem Geschmack entsprechen. Zu jedem Bild kann man auf einen Blick erkennen, ob sie zur kommerziellen Nutzung freigegeben sind und welche Namensnennung (wenn überhaupt) notwendig ist. Man muss sich weder registrieren (es sei denn man will das Bild in der höchsten Qualität), noch musste ich bisher je etwas zahlen. Man bedenke aber: Diese Datenbanken sind bekannt, so dass man häufiger diese Bilder woanders finden wird. Alleinstellungsmerkmal ist hier also nicht gegeben.

2.) Cover-Maker

Wenn man bei Amazon KDP veröffentlicht, kann man auf eine Bilder-Datenbank zugreifen sowie eine Reihe von fertigen Layouts, in welche man nur noch das gewünschte Bild sowie Titel und Name eintragen muss. Diesen Weg bin ich für „lorem ipsum“ gegangen. Ich habe mir auf Pixabay ein Bild gesucht und dann eines der fertigen Templates genutzt, wo ich lediglich an Schriftart und Farbe gedreht habe. Fertig war ein semi-professionell wirkendes Cover. Für meine Fanfiction-Cover, die selbstverständlich nicht kommerziell sind, nutze ich meist canva.com, eine kostenlose Web-Software, die alle möglichen Design-Arten unterstützt. Auch hier hat man kostenlose oder sehr, sehr günstige Templates und darüber hinaus eine Reihe freier Bausteine.

3.) Allgemeine Tipps

Natürlich kann man auch mit professioneller Software wie bspw. Photoshop arbeiten, doch selbst die beste Software bringt einem wenig, wenn man nicht grundsätzliches Verständnis dafür hat, was ein Buchcover ausmacht. Insbesondere im eBook-Bereich gibt es da einige Dinge zu beachten. So betrachten viele Leser die Titelbilder nur in einer Liste, wie sie im Shop auf ihrem Kindle präsentiert werden, was zur Folge hat, dass die Cover kaum größer als eine Briefmarke erscheinen. Ein gutes eBook-Cover muss also auch kleinformatig gut wirken, mit anderen Worten: Große Buchstaben für den Titel, nicht zu viele kleine Details im Bild, lieber ein Objekt, welches gut in Szene gesetzt wird. Auch weiß ist meist eine ungünstige Hintergrundfarbe, da viele dieser eBooks im Internet auf weißem Hintergrund präsentiert werden. Jeder professionelle Cover-Designer kann zudem noch hundert andere Sachen nennen, die es zu beachten gibt, was uns zum nächsten Punkt führt.

 

Premades

Was sind Premades? In Zeiten, in denen das Self-Publishing floriert, steigt der Bedarf an professionellen Titelbildern täglich. Gleichzeitig können sich die wenigsten Indie-Autoren einen Grafiker leisten, der nach ihren Wünschen und nur für Sie ein Cover gestaltet. Wenn man jedoch nicht völlig unprofessionell wirken möchte – was bei einem selbst designten Cover häufig der Fall ist – gibt es eine Zwischenlösung, für die der Markt immer größer wird: vorgefertigte Titelbilder, auf die man nur noch Namen und Titel eintragen muss, sogenannte Premades.

Der Vorteil der Premades ist, dass sie professionell wirken, da ein Grafiker sie erstellt hat, der einerseits Ahnung von Bildbearbeitung, andererseits und vor allem aber Erfahrung mit Buchcovern hat. So wirken diese Premades meist sehr beeindruckend, sind aber im Gegensatz zu eigens erstellten Titelbildern erschwinglich, schon ab 50€ kann man über das Internet welche erstehen, teilweise sogar mit exklusivem Nutzungsrecht. Für alle Fantasy- und Romance-Autoren kann ich bspw. Spittyfish Designs empfehlen, deren Cover erschwinglich sind und doch eine gute Atmosphäre verstrahlen. Für umgerechnet 62€ und aufwärts kann man auch auf selfpubbookcovers.com auf eine riesige Datenbank für Titelbilder für verschiedenste Genre zugreifen. Diese Seite hat den Vorteil, dass man die exklusiven Recht an dem jeweiligen Cover hat.

Das generelle Problem mit Premades ist jedoch, dass sie nie extra für deine Geschichte entworfen wurden, was dazu führen kann, dass sie nicht zu hundert Prozent passen. Premades sind notwendig immer ein Stück generisch und beliebig, da sie ein möglichst breites Publikum ansprechen müssen, um sich zu verkaufen. Vielleicht hat man Glück und findet exakt das, was man will, vielleicht aber auch nicht.

 

Professionelle Cover-Designer

instagram8Wenn man sich nicht auf die eigenen Grafik-Künste verlassen will und auch mit allen Premades, die man sich ansieht, nicht zufrieden ist, bleibt am Ende nur der Weg zu einem professionellen Cover-Designer. Hierfür sollte man sich jedoch sicher sein, dass das Buch sich auch wirklich verkauft, denn nun wird es richtig teuer. Eine befreundete Grafikerin, die sich auf Buchcover spezialisiert hat, nimmt zwischen 150€ und 200€ pro Cover, abhängig davon, wie viele Lizenzen sie kaufen muss. Im Internet gibt es verschiedene Wege, einen Grafiker zu finden.

Auf 99design.de findet man z.B. eine Plattform, auf welcher man einen Wettbewerb ausrufen kann. Je nach dem, wie viel Geld man bereit ist zu zahlen – zwischen 279€ und 1199€ ist alles möglich – bekommt man 30 bis 90 verschiedene Designs von Grafikern geliefert, die um das Preisgeld streiten, und man kann zwischen diesen Designs einen Gewinner auswählen, welchen man dann nutzt. Das ist einer der sichersten Wege, exakt das zu erhalten, was man sich vorgestellt hat. Ähnlich funktioniert die englische Seite crowdspring.com.

Neben solchen Projekt-Plattformen gibt es zudem eine unüberschaubare Anzahl an Grafikern, die ihre Arbeit für mehr oder noch mehr Geld anbieten. Ich nenne hier einige, die mir durch andere empfohlen wurden oder durch eigenständige Recherche über den Weg gelaufen sind:

  • Die typowerkstatt bietet nicht nur Buchcover, sondern auch Webdesign und viele andere Grafik-Arbeiten.
  • Der autorendienst hat Pakete im Angebot, die neben Coverdesign auch Lektorate enthalten.
  • Bei UlinneDesign findet man eBook-Cover schon ab 100€.

 

Welchen Weg wählst du für deine Bücher? Hast du Grafiker, mit denen du sehr gerne zusammenarbeitest und die du weiterempfehlen möchtest?

Ein Kommentar zu „Self-Publishing mit Amazon KDP [5]: Die leidige Frage nach dem Cover

  1. Hi Julia,
    Danke für den Einblick in die Welt de Covergestaltung und insbesondere für Hinweise auf deutschsprachige Dienstleister. Klar, kann man sich auch mit englischsprachigen Designern verständigen, aber der deutsche Markt ist vielleicht etwas anders als beispielsweise der US-Markt.
    Viele Grüße
    Erin

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