Schreibtipps

Die Kunst des Schreibens [1]: Übung macht den Meister

Jeder Schriftsteller stellt sich irgendwann einmal die Frage, ob das, was er schreibt, den Leser eigentlich interessiert. Anfänger verzweifeln schon mal an dieser Frage, während der Profi zumindest seine vergangenen Erfolge hat, um sein Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Doch je länger man über diese existentielle Frage nachdenkt, umso eher gelangt man am Ende immer zu demselben Gedanken, ganz unabhängig davon, wie lange man schon im Geschäft ist: Habe ich überhaupt Talent zum Schreiben? Dieser Artikel sowie die folgenden in der Serien haben das Ziel, jedem interessierten Autoren zu zeigen, dass es beim Schreiben nicht alleine um naturgegebene Talente geht und diese spezielle Sinnkrise entsprechend leicht überwunden werden kann.


Ich habe bereits vor geraumer Zeit die Beobachtung gemacht, dass viele Menschen denken, dass man entweder Talent zum Schreiben hat oder nicht. Dass man entweder von Anfang an gut schreiben kann oder nicht. Dass entsprechend Seminare, die sich mit kreativem Schreiben befassen, nur Geldmaschinen für den Anbieter sind, ohne dem Nutzer wirklich etwas zu bringen. Ich habe diese Einstellung früher geteilt, doch die Wahrheit ist, wie so häufig, differenzierter.

Persönlich habe ich im Alter von zwölf Jahren angefangen, ernsthaft zu schreiben. Es waren Geschichten, die für niemandes Augen gedacht waren, und ich schrieb sie, ohne über das Wie nachzudenken. Das änderte sich, als ich im Alter von etwa sechzehn Jahren über das Phänomen der Fanfictions gestolpert bin und darin eine Nische fand, in der ich meine Geschichten veröffentlichen konnte. Ich fing an, über meine Worte nachzudenken.

 

Aus den eigenen Fehlern lernen

Instagram2Und genau das ist es, was einen guten Schreibstil ausmacht. Worte zu Papier bringen kann jeder, der das Schreiben erlernt hat. Doch um kreativen Schreiben, zum Schreiben von Werken, die andere gerne lesen, gehört mehr. Es reicht nicht aus, einfach die Ideen, die man hat, niederzuschreiben, auf Grammatik und Rechtschreibung zu achten, und es dann zu veröffentlichen. Man muss sich ernsthafte Gedanken machen. Wie drücke ich was aus, welche Gefühle kann dieses Adjektiv im Gegensatz zu jenem hervorrufen? Das Deutsche gibt uns die Möglichkeit, wundervolle grammatikalische Konstrukte und lange Sätze zu formulieren, doch wenn man Spannung erzeugen will, wenn man den Pulsschlag des Lesers erhöhen will, sind kurze Sätze effektiver.

Mit jedem Satz, den man schreibt wird man besser. Dazu gehört allerdings, dass man regelmäßig zurück geht und das Geschriebene erneut liest. Was wollte ich in diesem Kapitel für ein Gefühl hervorrufen und wenn es mir gelungen ist, wie habe ich das geschafft? Wenn es mir nicht gelungen ist, was stört mich? Gibt es einen Satz, über den man stolpert, fehlt vielleicht die tiefe der Gefühle, hätte ich mehr oder weniger Adjektive nutzen sollen? Nur, wenn man die eigenen Zeilen immer und immer wieder kritisch hinterfragt, kann man unzureichende Formulierungen erkennen und sich verbessern.

 

Aus den Fehlern anderer lernen

Ein sehr altkluger Satz weist uns darauf hin, dass man aus seinen Fehlern lernen kann. Ich gehe noch weiter und sage: Man kann auch aus den Fehlern anderer lernen. Und aus den Errungenschaften anderer. Niemand, der gut schreiben erlernen will, kann darauf verzichten, sehr viel zu lesen. Egal, welches Genre, egal, ob Klassiker oder moderne Literatur, nichts fördert das eigene Schreiben so sehr, wie wenn man sich auf die Werke anderer Schriftsteller einlässt. Es müssen nicht einmal Werke in der eigenen Sprache sein, wie ich bemerkt habe. Ich lese seit Jahren fast ausschließlich englischsprachige Literatur, Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, und doch kann ich deutlich feststellen, dass mein Schreibstil sich genau dadurch verbessert hat. Manchmal stolpere ich über Sätze, die so unfassbar wohlklingend sind, dass ich sie mir aufschreibe, um immer wieder zu ihnen zurückzukehren und erneut darüber nachzudenken, warum sie so gut sind. Früher oder später erkenne ich die Mittel, die der Autor genutzt hat, und kann sie in meinen eigenen kleinen Werkzeugkasten aufnehmen.

 

Fleiß bringt dich ans Ziel!

Schreiben ist ein Handwerk, das man erlernen kann. Sicherlich gibt es Menschen, die eine größere Begabung darin haben als andere, wie es mit so ziemlich allen Dingen auf der Welt eben so ist. Doch das bedeutet nicht, dass es nicht theoretisch jeder Mensch erlernen kann. Eine alte Musiklehrerin von mir hatte keinerlei Begabung für Instrumente oder fürs Singen, dennoch hat sie Musik studiert und konnte diverse Instrumente spielen. Ihre Leidenschaft für die Musik, generell für die schönen Künste hat es ihr erlaubt, mit Fleiß das zu erreichen, was andere mit Talent machen. Dem geübten Ohr fiel natürlich stets auf, dass ihr Klavierspiel nicht dieselbe Qualität besaß wie bei einem talentierten Musiker, dennoch konnte sie das Instrument bedienen, einen Chor begleiten oder komplexe Werke vorspielen. Ebenso kann jeder, der nur Willens ist zu lernen, ein guter Schriftsteller werden. Vielleicht kein herausragender, doch gut genug, um von seinen Lesern Lob zu erhalten und Geschichten zu produzieren, die nicht nur inhaltlich begeistern, sondern auch sprachlich ansprechend sind.

Ich schreibe inzwischen seit über fünfzehn Jahren. Und ich lese noch viel länger. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht lese, und keine Woche, in der ich nicht schreibe. Gerade beispielsweise habe ich wieder Bram Stokers „Dracula“ zur Hand genommen, nicht etwa, weil ich die Geschichte noch einmal erleben möchte, sondern vielmehr, weil ich kaum ein Buch kenne, das von so hoher literarischer Qualität ist. Ich möchte ganz einfach wieder in der Sprache schwelgen und lernen, ebenso fantastische Zeilen zu Papier bringen zu können.

Ich rate jedem, der Ideen für eine Geschichte hat: Setze dich hin und schreib! Wenn du unzufrieden bist, gräme dich nicht, sondern kehre immer wieder zurück und überlege, wie du es besser machen kannst. Nur Fleiß führt zum Ziel. Schreiben ist, wie so vieles im Leben, ein Lernprozess, der niemals endet.

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